Auslandsaufenthaltbedingte Abwesenheit

BigLens Cover

Die Stimme dieses Blogs verstummte erneut. Fast ein halbes Jahr ist mein letzter Blogpost her. Doch es gab einen Grund. Die letzen Monate habe ich in England verbracht, wo mich gleich mehrere Projekte vollends ausgelastet haben. Unter anderem habe ich einige Artikel für das Uni-Filmmagazin der University of Kent, BIG LENS, geschrieben. Um meinen Blog also wieder durch erste Zuckungen zum Leben zu erwecken, habe ich zunächst meine BIG LENS Reviews hier gesammelt und vorgestellt.

Und für alle, die jetzt schon genug von meinen Filmreviews haben: Seid gewarnt! Da kommt noch viel mehr!

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BIG LENS MAGAZINE – Ones to watch on Halloween

Halloween

Dies ist mein Beitrag zu letzem Halloween für das Big Lens Magazin. Für meine fünf Empfehlungen habe ich versucht möglichst unterschiedliche aber immer qualitativ hochwertige Filme auszuwählen. Auch wenn man sonst nicht viel mit Horrorfilmen anfangen kann, diesen Fünf sollte man mal eine Chance geben.

ONE’S TO WATCH THIS HALLOWEEN – BRIAN’S PICKS

BIG LENS MAGAZINE – Alternative Top 5 Films coming in 2015

Anticipated Movies 2015Als Reaktion auf ein Jahr voller Sequels, Prequels und Reboots habe ich für das Big Lense Magazin alle angekündigten Neuerscheinungen aus dem Jahr 2015 auf der Suche nach originellen Ideen durchforstet. Was mir am interessantesten erschien, ist auf dieser Top 5 gelandet. Mit Chappie habe mich schon einmal vertippt… so ist das eben mit Zukunftsvorhersagen.

ALTERNATIVE TOP 5: FILMS COMING IN 2015 THAT ARE NEITHER SEQUELS, PREQUELS NOR REBOOTS

 

 

Meine Top 10 Filme 2014 – Teil 1

Silvester ist noch nicht lange her, aber es wird schon bald Zeit sich ins neue Jahr zu stürzen. Und damit natürlich auch ins neue Kinojahr! Doch vorher möchte ich mir hier die Zeit nehmen meine persönlichen Highlights des letzten Jahres aufzulisten. Für mich war 2014 ein großartiges Kinojahr. Ich habe nicht nur so viele Filme im Kino gesehen wie noch nie. Ausnehmend viele Filme haben es im letzten Jahr geschafft mich positiv zu überraschen. Da ich glaube genug gesehen zu haben, traue ich mich diesmal meine Liste auf Filme zu beschränken, die 2014 einen deutschen Kino Release erfahren haben. Das heißt auch Filme, die schon vor Ewigkeiten in Amerika draußen waren, können hier auftauchen.

10. Godzilla

Godzilla

Oh Godzilla! Du mit deinem dicken Bauch, deinen klobigen Beinen und deinem leicht wehleidigen Gebrüll. Man muss dich einfach gern haben! Nach Roland Emmerichs kläglichem Versuch den König der Monster auf amerikanischem Boden zu verfilmen, versprach dieser Film jetzt alles richtig zu machen. Statt Emmerichs Mischung aus T-Rex und Leguan schob sich Godzilla jetzt wie ein lebendiges Bergmassiv durch die Hochhäuser von San Francisco. Godzilla wirkte einfach in allen Belangen epischer als alle Monsterfilme zuvor. Mit der Besetzung von Breaking Bad Legende Bryan Cranston als Wissenschaftler, der Godzilla verfolgt, schien alles perfekt zu sein. Und tatsächlich konnte der Film die meisten meiner hohen Erwartungen erfüllen. Frei von Fehlern ist er aber leider auch nicht.

Ein beliebter Kritikpunkt an Godzilla ist, dass Godzilla die meiste Zeit über gar nicht zu sehen ist. Doch meiner Meinung nach ist das eine Stärke des Films. Anstatt den Fehler so vieler Blockbuster zu machen einen von Anfang bis Ende mit Effekten zuzuballern, geht Godzilla sehr sparsam mit seiner Hauptattraktion um. Mal sieht man einen gigantischen Schatten im Meer, mal wütet Godzilla im Fernsehen im Hintergrund und mal erhascht man nur einen kurzen Blick auf sein Gebiss. Godzilla ist nicht oft zu sehen, aber Godzilla ist immer präsent. Das ist der Grund warum der Spannungsaufbau bis hin zum großen Endgekloppe so gut funktioniert. Der Knackpunkt ist, wie die Zeit dazwischen gefüllt wurde und hier strauchelt Godzilla ein wenig. Zunächst wurde der Mythologie um die gigantischen Monster eine schöne Hintergrundgeschichte verpasst. Nun sind es prähistorische Monster, die erst vor wenigen Jahrzehnten durch Atombombentests wieder zum Leben erweckt wurden. Das liefert nicht nur clevere Erklärungen dafür warum die Monster überhaupt in den Städten auftauchen, sondern liefert auch einen hübschen Bezug zum Kontext des Originalfilms aus den 1950er Jahren als die Aufregung um die Atombombe noch frisch war.

Die Probleme des Films fangen damit an, dass Cranstons Charakter schon ziemlich schnell von seinem unfassbar uninteressanten Sohn abgelöst wird. Leider sind alle Anstrengungen des Films irgendetwas für diese glattpolierten Vorzeigeamerikaner zu empfinden zwecklos. Aus jedem menschlichen Drama ist ab einem gewissen Punt völlig die Luft raus. Nur will der Film das leider nicht wahr haben. Es ist irgendwo auch verständlich, so wie Bryan Cranston sich am Anfang die Seele aus dem Leib spielt.

Godzilla ist bei weitem nicht perfekt und an dieser Stelle könnte genauso gut ein anderer der hervorragenden Filme stehen, die es nicht auf die Liste geschafft haben. Was aber keiner der anderen Filme geboten hat, war ein Filmuniversum und ein brachiales Finale, das mich so in den Kinosessel gedrückt hat wie bei Godzilla. Ich liebe einfach Monsterfilme und Godzilla ist einer der Besten.

9. No Turning Back

Locke

No Turning Back ist insofern bemerkenswert, dass ich ihn mit einer heftigen Erkältung allein in einem kleinen Kino gesehen habe. Ich hatte Fieber und wusste nicht so recht wie mir geschah. Ein Film über einen Mann in einem Auto, der nirgendwo losfährt und nirgendwo ankommt. Er ist Aufseher über eine unglaublich große und wichtige Baustelle, die er über Nacht im Stich lässt. Offenbar kennt er sich verdammt gut mit Beton aus und heißt Locke. Außerdem hat er seine Frau betrogen und ist nun unterwegs zur Geburt seines unehelichen Kindes. Obwohl Locke seine Reise gestartet hatte um von nun an alles richtig zu machen, sieht man ihm und seinem Autotelefon dabei zu wie sein komplettes Leben auseinanderbricht.

Der gesamte Film spielt auf den zwei Vordersitzen eines BMWs. Kommunikation findet nur über das Telefon oder Selbstgespräche statt. Daher sind es auch die authentisch geschriebenen Dialoge und Tom Hardys schauspielerische Leistung, die den Film tragen. Man kann sich wohl kaum eine noch eingeschränktere Situation für ein Kammerspiel aussuchen als eine Autobahnfahrt. Mehr als sein Gesicht und seine Arme standen Hardy im Grunde nicht zur Verfügung. Für mich hat es bereits völlig ausgereicht um mich an seine Lippen zu fesseln. Jeder Dialog war interessant – jede Pointe saß – und ich wollte einfach immer wissen wie es weitergeht.

Wenn ich No Turning Back irgendetwas vorwerfen müsste, dann dass die verwischten Straßenaufnahmen eine ziemlich uninteressante Methode waren um zu überspielen, dass der Film nur in sehr begrenztem Raum spielt. Wirklich ins Gewicht fällt das allerdings nicht. No Turning Back ist ein amüsanter und gleichermaßen melancholischer Roadtrip, der mich mit Sicherheit auch ohne Fieber und Schwindelgefühl gefesselt hätte.

8. 12 Years a Slave

12 Years a Slave

Wie 12 Years a Slave? War das nicht der große Gewinner bei den Oscars 2013? Stimmt. Und ich hatte es auch schon fast vergessen, aber 12 Years a Slave kam tatsächlich erst im Januar 2014 in die deutschen Kinos. Es mag wahr sein, dass die Oscars ein Faible für moralisierende Dramen haben und 12 Years a Slave macht wirklich kein Geheimnis aus seiner Botschaft. Hätte er den Oscar wirklich nur deswegen bekommen, wäre das tatsächlich unfair gewesen. Denn die Erkenntnis, dass es falsch ist Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Hautfarbe zu misshandeln, sollte schon seit ein paar Jahrzehnten niemanden mehr schocken. 12 Years a Slave glänzt viel mehr dadurch wie drastisch und packend ein Einzelschicksal erzählt wird. Und dafür gönne ich ihm den Oscar von ganzem Herzen.

Der Film basiert auf der Autobiographie von Solomon Northup. Solomon war zu Zeiten der Sklaverei ein gebildeter und freier Mann in Amerika. Eines Nachts schlägt man ihn bewusstlos und verkauft ihn als Sklaven an eine Baumwollplantage im Süden. Der Film lässt einen die Schmerzen und Verzweiflung dieser 12 Jahre mit aller Härte spüren. Jede Aussicht auf Besserung wird sofort durch das nächstschlimmste Szenario ersetzt und Auspeitschungen werden in voller Länge und Close-Up gezeigt. Hans Zimmer’s dröhnender Soundtrack trifft oft den richtigen Nerv um alles noch unangenehmer zu machen. Nur das Hauptthema scheint er aus Resten von Inception zusammenkomponiert zu haben.

Dieser Film will Wut erzeugen, Mitleid erzeugen und Reue erzeugen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die meisten weißen Amerikaner sehr simple Figuren sind. Am schlimmsten ist dabei Brad Pitt, der als bärtiger Retter aus dem Norden daherkommt, so als hätte er sich einfach selbst reingeschrieben. Es sind das unfassbar packend geschriebene Drehbuch und die Performance der Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor und Lupita Nyong’o, die 12 Years a Slave zu mehr als einem brutalen Sklavereidrama machen. Denn es war das Ringen um Freiheit und die eigene Identität dieser Figuren, was mich an die Leinwand gefesselt hat. Zusammen mit seiner einseitigen Schonungslosigkeit wird dieses Charakterdrama zu einem eindringlichen und einmaligen Plädoyer für die Menschenwürde.

7. Planet der Affen: Revolution

Planet der Affen

Nasse Affen, die auf Pferden reiten und mit Maschinengewehren angreifen. Den Scheiß muss ich gar nicht erst sehen. So ungefähr ging es mir nachdem ich den ersten Trailer zu Planet der Affen gesehen hatte. Doch dann mehrten sich die positiven Kritiken überall im Internet und ich ließ mich doch darauf ein dem Film eine Chance zu geben.

In Planet der Affen geht um den schwelenden Konflikt zwischen den letzten Menschen, die den Killervirus aus dem letzten Teil überlebt haben und einer Gemeinschaft aus mutierten Affen angeführt vom ersten Testsubjekt, Caesar. Dabei schaukeln sich die Emotionen Schritt für Schritt immer weiter hoch und man lauert nur so darauf welcher Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt.

Es hätte ein Problem werden können, dass die Affen vollständig aus dem Computer kommen. Wie soll man schließlich eine Partei ernst nehmen, wenn sie einen ständig daran erinnert, dass sie eigentlich gar nicht da ist? Doch obwohl keiner dieser CGI-Affen wirklich aussieht wie ein echter Affe, hat es der Film geschafft sie mir als vollwertige Charaktere zu verkaufen. Die detailreichen und nuancierten Animationen kleinster Bewegungen und Gesichtsausdrücke verleihen den Affen mehr Charakter als so manchem menschlichen Schauspieler. Ähnlich wie bei Herr der Ringes Gollum ist es egal, wie offensichtlich animiert die Figur ist. Es kommt darauf an wie gut gemacht die Animationen sind und wie nahtlos sie sich in die Umgebung einfügen. Wahrscheinlich auch dank Andy Serkis, der hier Caesar spielt, ist Planet der Affen in dieser Hinsicht rundum gelungen. Beim Soundtrack ist mir aufgefallen, dass Planet der Affen genauso wie Godzilla György Ligetis Requiem benutzt, das man bereits von Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum kennt. Immerhin macht die Hommage hier etwas mehr Sinn. Schließlich geht es ja wie in 2001 um gewalttätige Affen. Die atonale Musik scheint wohl der neue Trend in Hollywood zu werden.

Planet der Affen ist kein stumpfer Action Film und ins Trashregal gehört er sicher auch nicht. Stattdessen erzählt der Film eine relativ zurückhaltende Geschichte mit einer so dichten Atmosphäre, dass man sie fast vor Spannung mit dem Messer schneiden kann. Man ist so sehr in die Charaktere und ihre Konflikte involviert, dass sich am Ende selbst Affen auf Pferden mit Maschinengewehren gerechtfertigt anfühlen.

6. X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

Prost

Ähnlich wie bei Planet der Affen hat man hier wieder einen unglaublich sperrigen Titel mit einer Prämisse, die auf den ersten Blick albern wirkt. Ich war mir sicher diese ganze Zeitreisesache würde im fertigen Film völliger Schwachsinn werden und nur als Vorwand dienen die alten Schauspieler auch noch mit an Bord zu holen. Weit gefehlt! X-Men: Zukunft ist Vergangenheit ist der beste X-Men Film den es bisher gab und einer der unterhaltsamsten Zeitreisefilme seit Langem. Mit nicht vorhandenen Erwartungen in Filme zu gehen, scheint mir Glück zu bringen.

In der Welt von Zukunft ist Vergangenheit haben riesige Killerroboter die meisten Mutanten bereits aufgespürt und vernichtet. Die X-Men starten mit Professor X und Magneto einen letzten Versuch das Forschungsprogramm aufzuhalten, das letztlich zu den Robotern führen wird. Kitty hat wohl zwischendurch die Fähigkeit erlangt Leute durch die Zeit zu schicken. Allerdings ist der einzige, der es aushält in die Siebziger geschickt zu werden natürlich Wolverine. Dadurch, dass der Film gleichzeitig auf zwei Zeitebenen abläuft, erspart er sich viele nervigen Diskussionen um Zeitreiseparadoxa. Solange Kitty Wolverine in der Vergangenheit hält existieren beide Zeitlinien parallel. Sobald sie ihn freigibt, treten alle Änderungen in Kraft und beide Linien laufen wieder zusammen. Fertig. Und weil es wichtig ist, dass Kitty lange genug überlebt, wird auch die erste Zeitebene nicht völlig unbedeutend. Das ist bei weitem der interessanteste Plot, den ich seit Jahren in einem Superhelden Blockbuster gesehen habe. (Gut war jetzt auch nicht so schwer)

Der entscheidende Grund warum mich Zukunft ist Vergangenheit so weggeblasen hat, waren die Action Szenen. Zunächst ist es endlich ein X-Men Film, der wirklich wertig aussieht. Aber vor allem wie die Action inszeniert und choreografiert war, hat noch aus jedem weniger wichtigen Kampf ein Spektakel gemacht. Da gab es Portale, die plötzlich zwei Punkte im Raum miteinander verbinden, Wolverine, der Mafiosi mit ein paar Krallenhieben aus dem Weg räumt und der legendäre Ausbruch aus dem Pentagon mit Quicksilver – und dazu Jim Croce mit Time in a Bottle. Selbst wenn Magneto mit zwei kleinen Metallkugeln rumhantiert, hätte das jeden Qi Gong Lehrer alt aussehen lassen.

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit war ein frischer Luftzug im langsam gammelig werdenden Genre der Superheldenfilme. Es gab eine ganze Reihe interessanter Charaktere, die von hervorragenden Schauspielern umgesetzt wurden. Doch vor allem die überragend unterhaltsame Inszenierung hat dafür gesorgt, dass ich mir diesen Film gerne immer und immer wieder ansehen werde.